Hörsturz

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Definition
                                                           

Ein Hörsturz ist eine plötzlich auftretende Schwerhörigkeit, meistens nur auf einem Ohr. In vier von fünf Fällen heilt das Gehör wieder von selbst. Die Gründe dafür sind ebenso unklar wie jene, die zu einem Hörsturz führen.

Beim Hörsturz handelt es sich um eine innerhalb von Sekunden auftretende Schwerhörigkeit, die zur Ertaubung führen kann. Man spricht dann auch von «sudden deafness» (plötzlicher Taubheit). Meistens ist sie auf eine Seite beschränkt, mit dem anderen Ohr hört der Patient noch gleich gut - oder schlecht - wie zuvor.
Als Ursache nimmt man eine Durchblutungsstörung im Innenohr an. Weshalb es dazu kommt, ist jedoch unklar. Alle Altersstufen sind betroffen, der Grossteil der Betroffenen ist zwischen 30 und 50 Jahre alt.

Wozu brauchen wir zwei Ohren?
Der einseitige Ausfall des Gehörs stellt eine weit größere Beeinträchtigung dar, als das bloße Umschalten eines Radios von Stereo auf Mono. Machen Sie den Test und stopfen Sie sich ein Ohr zu - Sie werden ungeahnte Schwierigkeiten haben, sich in der gewohnten Umwelt zu Recht zu finden: Geräusche sind plötzlich nicht mehr genau zu lokalisieren, das räumliche Empfinden schwindet, Stimmen verlieren an Verständlichkeit.
Weshalb? Unsere Ohren funktionieren wie Antennen, die Signale aus verschiedenen Richtungen empfangen. Im Ohr werden diese empfangenen Signale in elektrische Impulse umgewandelt und an das Gehirn weitergeleitet, wo wir sie interpretieren.

Erfassen unsere Ohren z.B. das Motorengeräusch eines nahenden Fahrzeugs, wissen wir innert Sekundenbruchteilen, aus welcher Richtung sich das Geräusch nähert. Dies ist möglich, weil das eine Ohr das Motorengeräusch etwas früher erfasst als das andere. Aus der Differenz errechnet unser Gehirn den Winkel zur Schallquelle, und dank persönlichen Erfahrungswerten (z.B. «was lauter wird, kommt näher») können wir außerdem die Entfernung und Geschwindigkeit des Fahrzeugs abschätzen.
Neuste Untersuchungen zeigen, dass Männer Geräusche schneller und präziser lokalisieren können als Frauen.

Ursache
Ursache eines Hörsturzes ist wahrscheinlich eine Durchblutungsstörung des Innenohrs. Weshalb es zu einer solchen kommt, ist unklar. Es könnten aber auch andere Mechanismen als Ursache in Frage kommen.

Folgende Möglichkeiten kommen als Ursache eines Hörsturzes in Frage:

  • Störung der Innenohrdurchblutung: Z.B. wegen einem plötzlichen Blutdruckabfall, wegen einer Innenohrembolie (Verschluss der Innenohrarterie durch ein angeschwemmtes Gerinnsel), wegen veränderten Gefässwänden (z.B. verdickt und geschädigt bei unbehandelten Diabetikern), wegen psychischer Belastung/Stress (könnte evtl. ebenfalls zu Durchblutungsstörungen führen) etc.
  • Infektion mit Viren oder Borreliose: Die Erreger können die Nerven, welche das Innenohr versorgen, befallen und schädigen. Dadurch ist das betroffene Ohr nicht mehr in der Lage, die ankommenden Schallwellen aufzunehmen und weiterzuleiten.
  • Autoimmunerkrankung: Es werden plötzlich Antikörper gebildet, die gegen eigene Bestandteile des Organismus gerichtet sind. Das Innenohr wird somit wie ein Fremdling angegriffen und zerstört. Der Grund für eine solche autoimmune Störung ist nicht bekannt.
  • Ruptur des ovalen Fensters: An der Grenze vom Mittel- zum Innenohr ist eine Membran (das «ovale Fenster») vorhanden, welche die von aussen kommenden Schallwellen ins Innere überträgt. Wenn diese Membran gerissen ist, findet keine Weiterleitung mehr statt.
  • Akustikusneurinom: Gutartige Geschwulst der Zellen, welche die Innenohrnerven
    umgeben. Kann durch Schädigung des Nervs einen Hörsturz verursachen.

Als Hauptsymptom eines Gehörsturzes gilt die plötzlich eintretende Gehörabnahme. Sie kann bis zur Taubheit führen.

Ein Hörsturz macht sich zuerst durch ein Druckgefühl im Ohr bemerkbar. In etwa einem Drittel der Fälle folgt ein heftiger Tinnitus (Pfeifen im Ohr). Anschließend tritt innerhalb von Minuten eine hochgradige Gehörabnahme, unter Umständen sogar eine sofortige völlige Ertaubung ein. Die Symptome treten typischerweise nur auf einer Seite auf. Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen werden nicht verspürt.

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