Allergien

...stattgefundener Vortrag im St. Marien Krankenhaus in Ratingen

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Definition

Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf körperfremde Stoffe aus der Umwelt. Die Allergie ist eine häufige Erkrankung und kann durch eine Vielzahl von Stoffen ausgelöst werden.

Überschießend darum, da das Immunsystem in diesem Fall gegen Fremdstoffe im Körper vorgeht, die an sich, anders als Krankheitserreger, keine Gefahr für die Gesundheit des Menschen darstellen.

Als Auslöser einer Allergie, also als sogenanntes Allergen, kommen eine Vielzahl von Stoffen in Frage. Grundsätzlich ist jeder Stoff aus der Umwelt dazu in der Lage beim Menschen eine Allergie auszulösen. Dies können zum Beispiel Pflanzenstoffe wie Pollen, Tierprodukte wie Haare oder Bienengift, Nahrungsmittel wie Nüsse und auch Metalle und Chemikalien sein. Diese Auslösefaktoren sind stets harmlose, teils für den Körper nützliche oder sogar lebensnotwendige Dinge. Umso mehr erstaunt es, dass es durch den Kontakt mit diesen Allergenen zu einer Allergie kommt.

Allergien kommen in der Bevölkerung und vor allem auch bei Kindern zunehmend vor. Schätzungsweise sind in den Industrieländern etwa 20-30% der Bevölkerung von irgendeiner Art der Allergie betroffen. Die Zunahme der Allergien wird durch eine zunehmende Fremdstoffbelastung in der Umwelt, durch veränderte Lebens- und Ernährungsgewohnheiten sowie durch den gesteigerten Konsum von Genussmitteln und Medikamenten zurück geführt. Es wird auch vermutet, dass die Zunahme der Allergien bei Kindern auf einer übertriebenen Hygiene in den ersten Lebensjahren beruht. Neben den echten Allergien gibt es auch Reaktionen des Körpers, bei welchen das Immunsystem nicht beteiligt ist und die daher auch nicht im eigentlichen Sinne als Allergie gelten, sogenannte falsche Allergien. Darunter gehören die Pseudoallergie und die Intoleranz.

Ursache

Die Allergie ist die häufigste und wichtigste Umwelterkrankung. Im Gegensatz zu anderen Umwelterkrankungen, bei denen äußere Faktoren Organfunktionen beeinträchtigen, wird hier das Immunsystem sogar aktiviert - was sich allerdings als Nachteil erweist.

Allergieauslöser kommt von außen
Obgleich heute die Mechanismen der Immunreaktion bis in den molekularen Bereich aufgeklärt sind, fehlt noch immer das Wissen um den individuellen Auslöser. Sicher ist nur, dass er von außen erfolgen muss: ohne die Begegnung mit dem Allergen kann sich eine Allergie nicht entwickeln. Es handelt sich eindeutig um ein erworbenes Leiden. Der Zeitpunkt des ersten Auftretens spiegelt vergröbert die jeweilige Aktivität des Immunsystems wider: In der Jugend sind Neuerkrankungen generell häufiger als im Alter. Der Heuschnupfen als Umweltallergie der allgemeinen Art kann dafür als Beispiel dienen. Bei berufsbedingten Allergien gegen Substanzen, die erst im Berufsleben und nur dort vorkommen, verschiebt sich der Gipfel ins höhere Alter. Dies belegt, dass der Kontakt mit einem Allergen notwendig ist, damit sich eine Allergie entwickelt.

Erbgut entscheidend für Allergieentwicklung
Trotz gleichen Allergenkontakts reagieren manche Menschen mit einer Allergie, andere hingegen nicht. Dafür verantwortlich ist das individuelle Erbgut, die Veranlagung wird sozusagen in die Wiege gelegt. Erkennbar ist dies an Allergiker-Familien (das trifft vor allem auf Reaktionen vom Soforttyp zu, also Schnupfen und Asthma). Ein allergischer Elternteil verdoppelt das Risiko ebenfalls an einer Allergie zu erkranken von etwa 15 Prozent auf ungefähren 30 Prozent, zwei allergische Elternteile nochmals auf zirka 60 Prozent. Grundsätzlich kann aber jeder Mensch an einer Allergie erkranken.

Allergieentwicklung durch Lebensstil beeinflussbar
Die Zunahme von Allergien bei verringerter Umweltbelastung und gleichem Erbgut weist auf eine dritte Komponente hin, die Lebensführung. Jenseits der Intensität des Kontakts mit dem Allergen und jenseits der Veranlagung ist es eben auch wichtig, was dem Organismus sonst noch zugemutet wird. So kann das Auftreten einer Allergie durch Rauchen oder Infektionen begünstigt werden. Was das Rauchen anbelangt, gibt es einer zusätzlichen Generation überschreitenden Gesichtspunkt. Und zwar konnte festgestellt werden, dass Rauchen in der Schwangerschaft  die Allergieentwicklung beim Kind fördert!
Der genaue Mechanismus ist allerdings noch nicht erforscht. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass stets mehrere Dinge zusammenkommen müssen: Das Erbgut ist nicht zu ändern, wohl aber der Allergenkontakt und die Lebensweise (zum Beispiel Rauchen, Alkohol, Umweltschadstoffe und vieles mehr).

Symptome

Die Allergie hat 1000 Gesichter. Kein Wunder, denn grundsätzlich ist überhaupt nicht festgelegt, wann, wie und wo das Immunsystem zu reagieren hat. Es vermag dies an jedem Ort und mit allen ihm verfügbaren Mitteln (Immunzellen und Antikörpern). Allergien können sich in sämtlichen Bereichen des Organismus zeigen.


Am häufigsten treten sie zwar an Stellen auf, an denen Immunsystem und Zielstruktur (eben das Allergen) aufeinander treffen, das heißt an den Grenzflächen zwischen Umwelt und Organismus (also Haut und Schleimhaut). Dies zeigt sich an der Haut als Ekzem oder Nesselsucht, in den Atemwegen als Schnupfen oder Asthma, im Ernährungstrakt als Schwellung im Mund und Rachen oder als Durchfall mit Krämpfen. Dennoch sind andere Orte - wie Leber, Niere, Nervensystem und Augen - von der Begegnung nicht ausgeschlossen, sie bleiben jedoch oft unbemerkt, da der Zusammenhang zwischen dem auslösenden Kontakt und der Reaktion verschleiert ist. Die Allergiesymptome treten dabei solange auf wie sich Allergene im Körper befinden.

  • Immunkrankheiten der Haut: Die Haut ist das am häufigsten von Immunkrankheiten betroffene Organ, denn sie wird ständig von zahlreichen Umweltfaktoren beeinflusst.
  • Immunkrankheiten der Augen: Immunkrankheiten des Auges plagen vor allem Pollenallergiker. Ihre Augen sind heftigem Juckreiz ausgesetzt und reagieren mit vermehrter Bildung von Tränenflüssigkeit und zähem Schleim.
  • Immunkrankheiten der Nase: Die Nase gehört zu den von Immunkrankheiten häufig heimgesuchten Organen. Durch die Atmung ist sie nämlich ständig Umweltfaktoren ausgesetzt.
  • Immunkrankheiten der Lunge: Die Lunge ist nach der Haut am zweithäufigsten von Immunkrankheiten betroffen, denn sie ist durch die Atmung ständig Umweltfaktoren ausgesetzt. Umweltgifte sind nämlich die hauptsächlichen Auslösefaktoren für diese Erkrankungen.
  • Immunkrankheiten der Leber: Unter den Lebererkrankungen nehmen die immunologisch bedingten einen geringen Stellenwert ein. Meist werden Leberkrankheiten durch belastende Ess- und Trink-Gewohnheiten verursacht.
  • Immunkrankheiten des Darmes: Angesichts der Größe und Bedeutung des Darmes sind Immunkrankheiten recht selten. Obwohl der Darm ständig mit der Nahrung Fremdstoffe (zum Beispiel Umweltgifte) aufnimmt und sogar die Nahrung selbst eigentlich Fremdstoff ist, reagiert er nur selten mit einer Allergie.


In der Medizin hat sich allerdings die Einteilung in vier Typen allergischer Reaktionen durchgesetzt. Diese Reaktionstypen sind im Grunde genommen normale Reaktionen des Immunsystems, nur sind sie im Falle einer Allergie überschießend und werden somit als Krankheit angesehen.

Die Reaktionstypen 1 bis 3 werden durch Antikörper vermittelt, der Reaktionstyp 4 durch T-Zellen.

  • Typ 1 (Soforttyp) Die Typ 1 Reaktion ist eine sofort eintretende allergische Reaktion, die durch spezifische Antikörper, sogenannte IgE-Antikörper vermittelt wird. Kommen die Abwehrzellen des Körpers mit einem fremden Allergen in Kontakt, bilden sie IgE-Antikörper dagegen. Diese haften sich wiederum an Mastzellen, weitere Zellen der Abwehr, die dadurch Stoffe (Histamin und andere) zur Auslösung einer Entzündung freilassen. Dadurch entstehen verschiedene akute Entzündungsreaktionen wie zum Beispiel Heuschnupfen.
  • Typ 2 (Zytotoxischer Typ) Die Typ-2-Reaktion gehört zu den antikörper-vermittelten allergischen Reaktionen. Anstelle von IgE sind hier IgG und IgM-Antikörper beteiligt. Diese Antikörper werden normalerweise bei einer Reaktion gegen Krankheitserreger gebildet. Bei der Typ-2-Reaktion bildet der Körper diese Antikörper gegen Oberflächenstrukturen von körpereigenen Zellen oder von eigenem Gewebe. Die Folgen dieser Reaktion betreffen nur die Zellen und Gewebe, die Antigene zu den entsprechenden Antikörpern besitzen und kommen innerhalb von Minuten bis Stunden nach dem Kontakt zwischen Antigen und Antikörper zum Vorschein. Beispiele zu Typ-2-Reaktionen sind die autoimmune hämolytische Anämie, also die Zerstörung von roten Blutkörperchen nach der Transfusion einer falschen Blutgruppe, Organabstossungen nach Transplantationen oder auch Autoimmunerkrankungen wie die Glomerulonephritis.
  • Typ 3 (Immunkomplextyp) Dieser Reaktionstyp gehört ebenfalls zu den Antikörper-vermittelten allergischen Reaktionen, bei welchen IgM und IgG-Antikörper beteiligt sind. Bei der Typ-3-Reaktion bilden sich aus löslichen Antigenen und den erwähnten Antikörpern sogenannte Immunkomplexe, die nicht wie sonst vom Immunsystem beseitigt werden und somit zu chronischen Infektionen, Immunkomplexerkrankungen und der exogenen allergischen Alveolitis führen.
  • Typ 4 (Spättyp) Im Gegensatz zu den Typen 1-3, wird diese Form der Reaktion nicht durch Antikörper, sondern durch T-Zellen, bestimmte weiße Blutkörperchen, bewirkt. Diese Zellen aktivieren ihrerseits wiederum neue Entzündungszellen, was schließlich zu den typischen Symptomen einer Typ-4-Reaktion führt. Meist zeigen sich die durch diese Form der Allergie ausgelösten Veränderungen an der Haut. Ein Beispiel dazu ist die Kontaktallergie, die nach Kontakt der Haut mit Nickel oder Chrom auftritt.

    Ein wichtiger Unterschied zu den anderen Formen der Reaktionen besteht auch darin, dass die Veränderungen durch die Typ-4-Reaktion erst verzögert auftreten, frühestens 12 Stunden nach dem Kontakt mit dem Allergen.

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