Migräne / Kopfschmerzen

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Definition 
                                                      

Migräne nennt man bohrende und pulsierende Kopfschmerzen, die anfallartig auftreten. Meistens wird der Schmerz einseitig im Bereich von Stirn, Schläfe und Auge empfunden. Bei manchen Migränikern geht der Kopfschmerzattacke die so genannte Aura voraus. Sehstörungen, wie Flimmern oder gezackte Lichterscheinungen, sind die häufigsten Symptome der Auraphase.

«Hemikranie» lautet die griechische Bezeichnung für den Halbseitenkopfschmerz. Unser Wort «Migräne» entstand aus Übersetzungen aus dem Französischen («migraine»). Die Migräne kann aber auch vom Hinterkopf oder Nacken ausgehen, die Seite wechseln oder beidseitig auftreten. Manchmal wird der Schmerz als drückend beschrieben. Die Kopfschmerzattacken beginnen oft in den frühen Morgenstunden. Im Durchschnitt erleidet ein Migräniker monatlich eine bis vier Attacken, die zwischen vier und 72 Stunden anhalten.

Vom auslösenden Reiz einer Migräne-Attacke bis zum hämmernden Schmerz

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Die Auslöser: Eine Vielzahl von Faktoren kann den Prozess in Gang setzen. Innere: hormonelle Veränderungen (Menstruation), Stress, Schlafmangel. Und äussere: Wetterumschlag, Nahrungsmittel, Reizstoffe (Allergene). Bei den meisten Migränikern braucht es eine Kombination von mehreren Auslösern, um die individuelle neurologische Schwelle eines Anfalls zu erreichen. Möglich ist allerdings auch, dass Migräne- Attacken ganz ohne äussere Einflüsse entstehen.

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Übelkeit kommt auf: Die meisten Migränereize schiessen durch den Hypothalamus, einen Dreh- und Angelpunkt im Gehirn, zuständig für die Regulation von Hormonen, Schlaf und Hunger. Signale, die vom Hypothalamus zum Migränegenerator gelangen, rufen typische Symptome wie Übelkeit und Erbrechen hervor.

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Mächtiger Nerv gereizt: Der Hypothalamus feuert elektrische Impulse zum oberen Hirnstamm, wo der mächtige Trigeminusnerv entspringt. Er überzieht helmartig das ganze Gehirn mit einem Netzwerk aus Nervenfasern. Ist der Trigeminusnerv einmal genügend gereizt, beginnt die Migräne zu rollen. Die Reize aus dem Hirnstamm gelangen über Fasern des Trigeminusnervs in die Grosshirnrinde und verursachen den Schmerz.

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Gefässe schwellen an: Entstehungsorte des pochenden Migräneschmerzes sind auch die anschwellenden Blutgefässe in der Gewebeschicht, die das Gehirn umhüllt. In der so genannten Dura mater liegen nicht nur Blutgefässe, sondern auch schmerzempfindliche Fasern des Trigeminusnervs, der die Reize – ebenfalls via Hirnstamm – in die Schmerzzentren der Grosshirnrinde leitet.

Im Gegensatz zu den vegetativen Symptomen, die den Kopfschmerz begleiten, geht die so genannte Aura als Vorbote der Attacke zeitlich voraus. Aura bedeutet «Schein» oder «Ausstrahlung» und gilt als Zeichen einer vorübergehenden Hirnfunktionsstörung zu Beginn des Migräneanfalls. Meistens treten während der Aura Sehstörungen wie Flimmern oder gezackte Lichterscheinungen auf. Auch Lähmungen, ungewohnte Sinneswahrnehmungen und Störungen von Sprache oder Gefühl kommen vor. So spüren manche Migräniker Ameisenkribbeln während dieser Phase, andere wiederum haben ein Taubheitsgefühl um den Mund herum.

Die typische Aura dauert höchstens eine Stunde. Nach ihrem Abklingen kommt es in der Regel innerhalb einer Stunde zur Kopfschmerzattacke.


Die wichtigsten Migräneformen
Man unterscheidet eine ganze Reihe von Formen der Migräne, je nach Art und Dauer der Beschwerden.

Migräne ohne Aura

Diese Form wurde früher auch «einfache Migräne» genannt. Sie ist mit Abstand die häufigste Form der Migräne.

Migräne mit Aura

Sie bezeichnete man früher als «klassische Migräne» oder «migraine accompagnée»; die Aura dauert höchstens eine Stunde und geht den Kopfschmerzen zeitlich voraus.

Migräne mit
verlängerter Aura

Die Aura dauert länger als eine Stunde und überlappt sich zeitlich mit den Kopfschmerzen.

Komplizierte Migräne

Die Aura dauert länger als 24 Stunden.

Status migraenosus

Die Kopfschmerzen dauern trotz Therapie mehrere Tage an. Oder zwischen zwei Migräneattacken liegen weniger als vier beschwerdefreie Stunden.

Migräneaura
ohne Kopfschmerzen

Die Aura tritt allein auf, die Kopfschmerzen fehlen. Begleitende Beschwerden können kurzweilige Sehstörungen, Sprachstörungen oder Störungen der Sensibilität und/oder Beweglichkeit der Gliedmassen sein. In diesen Fällen ist es oft schwierig zu unterscheiden, ob die Symptome Ausdruck einer Hirnblutung, bzw. Hirnminderdurchblutung oder eines Migräneanfalls sind. Diese Migräneform kommt vor allem bei älteren Menschen vor.

Ursache

Wir wissen nicht genau, was zur Migräne führt und was sich während einer Attacke im Kopf abspielt. Es gibt mehrere Theorien dazu. Einige Faktoren, die bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielen, sind bekannt.

Die Mehrzahl der Wissenschaftler hält es für möglich, dass ein Anfall folgendermassen abläuft:

Vielleicht löst die Überaktivität einzelner Nervenzellverbände im Hirnstamm die Kopfschmerzattacke aus. Als Hirnstamm wird das Grosshirn ohne den Hirnmantel bezeichnet. Die elektrischen Impulse gelangen über Nervenfasern zu den Blutgefässen der Hirnhaut. Dort verursachen sie eine keimfreie Entzündung. Diese Entzündung nennt man neurogen, also von Nerven verursacht. Die betroffenen Gefässwände sind schmerzhaft und so empfindlich, dass der Migräniker jede Pulswelle als pochenden Kopfschmerz fühlt. Die Gefässwand wird durchlässig. Botenstoffe werden freigesetzt, die das Gefäss erweitern, beziehungsweise die Schmerzschwelle herabsetzen. Vielleicht trägt die Weitstellung der Gefässe zum Schmerz bei, vielleicht aber ist sie nur eine Folge des Geschehens. Die zeitgleiche Erregung anderer Nervenzentren im Gehirn führt zu Begleitsymptomen wie Übelkeit und Erbrechen oder Lärm- und Lichtscheu.

Dem Kopfschmerz kann die so genannte Aura vorausgehen. Das sind neurologische Störungen, wie zum Beispiel Flimmersehen oder Lähmungen. Verantwortlich für die Aura könnte eine verminderte elektrische Aktivität von Gehirnzellen oder eine Durchblutungsstörung sein.


Die wichtigsten weiteren Theorien

  • Vaskuläre Hypothese: Die älteste Theorie geht von der Vorstellung aus, dass eine Fehlfunktion der Blutgefässe die eigentliche Ursache der Migräne ist. Demnach verengen sich die Gefässe als erstes. Die nachfolgende Minderdurchblutung ist verantwortlich für die Aura. Anschliessend stellen sich die Gefässwände weit und verursachen so den Kopfschmerz. Heute weiss man, dass es während einer Aura zu Störungen des Blutflusses im Gehirn kommt. Diese Tatsache erklärt aber nicht den Schmerz. Vermutlich ist die Erweiterung der Blutgefässe erst eine Folge vom Kopfschmerz.
  • Neurogene Hypothese: Biochemische oder mechanische Reize verändern die elektrische Aktivität der Gehirnzellen. Folge ist eine Minderdurchblutung des Gehirns vom Hinterhaupt bis zu den Schläfen. Diese Theorie erklärt nur die Aura, aber nicht den Kopfschmerz.
  • Trigeminovaskuläre Hypothese: Nur Fasern, die aus dem Kerngebiet des Trigeminusnervs im Gehirn kommen, leiten zu viele oder zu starke elektrische Impulse zu den Blutgefässen der harten Hirnhaut. Dies führt zu einer neurogenen Entzündung der Gefässwand.

Was wir sonst noch über die Entstehung der Migräne wissen

  • Eine familiäre Belastung nimmt man bei bis zu 65 Prozent der Migräniker an. Je jünger der Patient bei seiner ersten Migräneattacke ist, desto wahrscheinlicher hat er seine Kopfschmerzen geerbt. Das Leiden wird vor allem über die mütterliche Linie weitergegeben. Forscher durchsuchen zwar das Erbgut, aber ein Migräne-Gen ist bisher nicht bekannt.
  • Vermutlich können sich die Gehirnzellen eines Migränepatienten schlecht gegen Reizüberflutung schützen und reagieren deshalb stärker auf Reize als gewöhnlich. Das haben Untersuchungen ergeben, bei denen die elektrische Aktivität des Gehirns nach wiederholten Lichtsignalen oder Tönen gemessen wurde.
  • Viele Migräniker berichten über Auslöser von Kopfschmerzattacken. Bestimmte Wetterbedingungen oder Phasen des Menstruationszyklus, Stress oder Wochenende, optische Reize, Alkohol oder Lebensmittel (Rotwein, Schokolade, Käse) werden verantwortlich gemacht. Wer seinen Auslöser kennt, kann seinen Lebensstil entsprechend einrichten. Meistens kommen aber mehrere Faktoren zusammen, die einen Anfall auslösen.
  • Serotonin, ein Botenstoff des Nervensystems, ist vor einer Migräneattacke im Blut leicht erhöht. Im Anfall ist seine Konzentration stark vermindert und Abbauprodukte werden mit dem Urin ausgeschieden. Serotonin verengt unter anderem Gefässe und beeinflusst die Schmerzwahrnehmung. Man nimmt an, dass das Serotonin zu Beginn eines Anfalls aus seinem Speicher, den Blutplättchen, freigesetzt wird und aus den Gefässen austritt. Sein Wegfall vor Ort soll dann zur Gefässerweiterung führen.
  • Die wichtigsten Auslöser für Migräne-Attacken

    Stress, Alkohol, körperliche und geistige Erschöpfung, plötzliche Veränderungen (Umzug, Todesfall), Wochenende, spätes Zubettgehen, Depression, Ferienbeginn oder -ende, Reisen, Angst, Sorgen, Traurigkeit, Menstruation, Rührung, Schock, Erregung, Nahrungsmittel und Gewürze, Lärm, Überanstrengung der Augen, Auslassen von Mahlzeiten, heiss baden oder duschen, intensive Gerüche, Wetterumschwung, Klimawechsel, Föhn, Bise, Medikamente, Diäten, Blutdruckschwankungen, helles Licht, tragen von schweren Gewichten.

Symptome

Die Migräne hat viele Gesichter. Eine ganze Reihe von Symptomen können sich zum Kopfschmerz gesellen oder diesem vorausgehen.

Im Durchschnitt erlebt ein Migräniker jeden Monat eine bis vier Kopfschmerzattacken. Ein Migräneanfall dauert vier bis 72 Stunden. Jeder Betroffene erlebt zwar seine Attacken anders, bei aller Vielfalt der Symptome gibt es aber dennoch einen typischen Verlauf.

Vorboten
Etwa ein Drittel der Patienten berichtet über Vorboten, die dem Kopfschmerz mehrere Stunden, oder sogar ein oder zwei Tage vorausgehen. Oft kündigt eine veränderte Stimmungslage den Anfall an. Innere Unruhe, Aggressivität, verstärkte Aktivität, Depressionen oder Müdigkeit können auftreten. Andere Migräniker leiden eher an Störungen wie Heisshunger, Durchfall, Wassereinlagerung oder vermehrtem Wasserlassen. Vorboten sind meistens ausgeprägter, wenn die Migräneerkrankung schon mehrere Jahre anhält.

Aura
Aura bedeutet soviel wie «Schein» oder «Ausstrahlung» und bezeichnet bei der Migräne neurologische Störungen, die dem Kopfschmerz manchmal vorausgehen. Eine Aura entwickelt sich langsam über fünf bis 30 Minuten und dauert bis zu einer Stunde an. Meistens beginnt die Migräneattacke unmittelbar nach der Aura. Eine symptomfreie Zeitspanne von weniger als einer Stunde kann aber auch zwischen Aura und Kopfschmerz liegen. Die Migräne mit Aura ist seltener als die ohne Aura. Sie ist oft auch kürzer als diese.

Die häufigsten Symptome sind Sehstörungen. Die Patienten sehen sternförmige Figuren, Doppel- oder Zerrbilder. Manchen flimmert es vor den Augen, andere klagen über Sehausfälle. Aber auch halbseitige Lähmungen oder Gefühlsstörungen wie Ameisenkribbeln oder Taubheitsgefühl kommen vor. Manche Migräniker erleben Störungen der Sprache oder des Gleichgewichts. Vor allem bei älteren Menschen kann eine Migräneaura auch ohne nachfolgende Kopfschmerzen auftreten.
Dauern die Aurasymptome länger als eine Stunde an, so spricht man von einer prolongierten Aura. In diesem besonderen Fall muss man untersuchen, ob eine Störung der Hirndurchblutung besteht.

Kopfschmerzphase
Die pulsierenden und bohrenden Migräneschmerzen sind meistens einseitig. Sie können aber auch die Seite wechseln oder beidseitig auftreten. In der Regel ist der Schmerz im Bereich von Stirn, Schläfe und Auge lokalisiert. Er kann aber auch im Nacken oder Hinterkopf empfunden werden. Oft beginnen die Schmerzen beim Aufwachen in den frühen Morgenstunden. Sie erreichen wenige Stunden nach Beginn ihr Maximum. Normalerweise halten sie höchstens drei Tage an. Dauern sie länger, so spricht man vom Status migraenosus. Aus dem Lateinischen wörtlich übersetzt bedeutet der Ausdruck «Migränezustand». Schon geringe Anstrengungen verstärken die Migräne. Der Patient fühlt sich während des Anfalls krank und kann seinen üblichen Aktivitäten nicht mehr nachgehen.

Typisch für die Migräne sind die Beschwerden, die in der Kopfschmerzphase auftreten. Die meisten Patienten leiden während des Anfalls an Appetitlosigkeit und Übelkeit, jeder Fünfte muss erbrechen. Kinder klagen besonders stark über Übelkeit und auch Bauchschmerzen. Licht- und Lärmempfindlichkeit, kalte Füsse und Hände, niedriger Blutdruck, Durchfall oder verstärktes Wasserlassen sind nur einige der zahlreichen Begleiterscheinungen, die durch Störungen des vegetativen Nervensystems zustande kommen.

Erholungsphase
Nach dem Abklingen der Kopfschmerzen fühlen sich Migränepatienten noch über Stunden oder Tage erschöpft und müde. Oft fallen sie nach der Attacke in einen Schlaf. Manche kommen aber auch in eine euphorische Stimmung.

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