Allergie Therapie

 ...Vortrag über "Allergien"  im St. Marien Krankenhaus in Ratingen

Diagnose 
                                               

Aufgrund der großen Vielfalt der möglichen Allergene, die eine Allergie auslösen können, steht trotz aller technischer Möglichkeiten auch hier die Befragung am Anfang der Diagnosestellung. Weiter können Laboruntersuchungen und Allergietests bei der Suche nach dem richtigen Allergen weiterhelfen.

Auf diesem Weg muss herausgefunden werden, ob es sich überhaupt um eine Allergie handelt, was als auslösender Faktor in Betracht kommt und am Ende noch, welcher Reaktionstyp der Immunantwort dahinter steckt. Alle drei Schritte sind wichtig:

  • Nicht alles, was wie eine Allergie aussieht, ist auch eine
  • Aus dem unbegrenzten Warenkorb der Allergene muss ein überschaubares Bündel werden
  • Die Art der Immunantwort bestimmt die Behandlung

Genaue Beobachtung: Grundlage für Allergiediagnose
Diese Form der Detektivarbeit wird von Arzt und Patient oft unterschätzt. Sie ist aber unerlässlich, weil mit Labormethoden allein im Alltag nur in Ausnahmefällen ein sicheres Ergebnis erzielt werden kann. Ohne die Mitarbeit des Patienten, die in der genauen Beobachtung und Schilderung der Allergie besteht (oft sieht ihn der Arzt erst, wenn alles vorbei ist) geht nichts! Wichtig für den Arzt ist es zu wissen, wann die Symptome auftreten und was sie verschlimmert.
Der Arzt gibt dann Hilfen für die Erkennung der Zusammenhänge - diese müssen zugeordnet und gedeutet werden. Regelmäßige Gichtanfälle nach Völlerei beispielsweise sind keine Nahrungsmittelallergie.
Sind die Zusammenhänge eindeutig, vermag bereits der Patient die Diagnose zu stellen. Wer etwa kurz nach Betreten der Backstube oder eines Pferdestalles Niesreiz, Augenbrennen und Atemnot entwickelt, wird seine Mehl- oder seine Pferdeallergie selbst erkennen. Wer aber weiß, dass ein Heuschnupfen sich unter dem Christbaum einstellt, wenn die an den Nadeln haftenden Pollen aufgrund der Austrocknung abspringen? Solche scheinbaren Ungereimtheiten gibt es in großer Menge und nur gemeinsames Nachdenken von Patient und Arzt kann in solchen Fällen weiterhelfen.

Allergietests und Laboruntersuchungen: erst an zweiter Stelle
Ist es gelungen, Allergen und Mechanismus zu benennen oder wenigsten einzugrenzen, beginnt die funktionelle Diagnostik.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, das Allergen zu bestimmen. Die Diagnostik richtet sich hier nach dem vorliegenden Reaktionstypen. Zur Verfügung stehen einerseits Laboruntersuchungen und andererseits Allergietests.
Bei den Laboruntersuchungen wird im Blut spezifisch nach Antikörpern oder Abwehrzellen im Blut gesucht.
Bei den Allergietests kann der Patient unter kontrollierten Bedingungen mit verdächtigen Stoffen zusammengebracht werden. Im einfachsten Fall geschieht dies mit dem Hauttest, bei Verdacht auf Asthma kann auch das Einatmen eines Asthma auslösenden Stoffes zum Beweis des Vorliegens einer Allergie dienen. Insgesamt stehen also eine Reihe von Tests zur Verfügung, die für jeden Patienten zusammengestellt werden. Daher sind Massenuntersuchungen aus Blut von zweifelhaftem Wert. Vielfach angepriesene Tests mit Magneten, elektrischen Feldern und Bioresonanzen haben bislang den Ansprüchen nicht genügen können.

Therapie

Allergien lassen sich einfach und natürlich verhüten: durch Meiden des auslösenden Faktors. Leider ist das nur selten möglich - dann muss behandelt werden.
Es gibt zwei ganz verschiedene Wege der Behandlung: Der eine versucht, das Immunsystem gezielt umzustimmen, der andere, die Folgen der fehlgeleiteten Immunreaktion zu unterdrücken. Besser ist es, das Immunsystem zu beeinflussen und das Übel an der Wurzel zu packen. Die Eindämmung der Beschwerden ist die Alternative, bei der allerdings nur die Symptome unterdrückt werden.

Immunbiologische Therapie gegen die Allergieursache
Die immunbiologische Therapie setzt ausschließlich an der allergischen Reaktion an, die quasi durch sich selbst geblockt wird. Dies erfolgt kurioserweise durch Anwendung des verantwortlichen Allergens. Dieses Verfahren ist als Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung bekannt und wird neuerdings auch wegen des einer Impfung ähnlichen Wirkprinzips als spezifische Immuntherapie oder als Allergie-Impfung bezeichnet. Diese Maßnahme ist leider nur bei Allergien vom Soforttyp erfolgreich und nur wenn das Allergen bekannt ist, vor allem bei Allergien gegen Insektenstiche und bei Heuschnupfen.

Bei dieser Therapieform wird dem Patienten das die Allergie auslösende Antigen über eine Zeitraum von mindestens 3 Jahren gespritzt oder in Tropfen verabreicht, wobei die Dosis langsam gesteigert wird. Es wird so wenig Allergen verabreicht, dass die Reaktion darauf nur lokal beschränkt bleibt und sich höchstens in einer kleinen Schwellung bemerkbar macht. Durch diese Sensibilisierung wird erreicht, dass anstelle der IgE-Antikörper (welche eine Allergie verursachen) solche der IgG-Klasse hergestellt werden. Diese IgG-Antikörper können das fremde Antigen unschädlich machen und somit eine allergische Reaktion verhindern.
Wichtig ist der frühzeitige Beginn, weil dann nicht nur der Erfolg größer ist, sondern auch spätere Entwicklungen aufgehalten werden können. So konnte gezeigt werden, dass bei Patienten, die eine solche immunbiologische Therapie erhalten haben, die Wahrscheinlichkeit zusätzlich an einem allergischen Asthma zu erkranken, deutlich abnimmt. So ist also diese Therapieform zugleich auch eine prophylaktische Maßnahme.

Medikamente gegen Symptome
Der größere Teil der Allergien muss medikamentös behandelt werden. Hierfür stehen eine Reihe unterschiedlicher Substanzen zur Verfügung. Die klassischen Antiallergika hemmen die Wirkung oder die Freisetzung von Histamin (ein Stoff, der bei der Allergie die Hauptrolle spielt). Neue Entwicklungen weisen kaum Nebenwirkungen auf. Diese Antiallergika kommen in den verschiedensten Anwendungen wie Inhaliersprays, Nasentropfen oder Salben vor.
Wo dies nicht anschlägt - beispielsweise beim Ekzem oder seltenen Formen mit Schädigung von Organen oder Blutzellen - müssen stärkere Werkzeuge eingesetzt werden.
Zur Vorbeugung kann Dinatriumcromoglycat (DNCG) angewandt werden. Dieses Medikament blockiert die Freisetzung von Histamin im ganzen Körper und verhindert so die Entwicklung einer Allergie. Allerdings muss die Anwendung vorbeugend geschehen und das Medikament sollte dazu regelmäßig eingenommen werden, da es bei akut auftretenden Beschwerden keine Wirkung zeigt.
Zu den stärker wirkenden Substanzen gegen Allergien gehört schließlich Kortison.
Dies ist ein körpereigenes Hormon, welches entzündungshemmende Wirkungen erzielen kann. Es kann lokal in Form von Salben oder Nasensprays oder systemisch in Form von Tabletten, Zäpfchen oder Injektionen verabreicht werden. Wird lokal und nur während eines kurzen Zeitraumes mit Kortison behandelt, sind fast keine Nebenwirkungen zu erwarten. Problematischer wird es, wenn dieses Medikament über Jahre hinweg oder systemisch eingenommen werden muss. Hier kann es zu Osteoporose, Bluthochdruck und anderen Symptomen kommen.

Gegen-Antikörper
Das neueste Medikament in der Allergiebekämpfung ist ein künstlich hergestellter Gegen-Antikörper, durch den der für die Sofortreaktion (Asthma, Schock) verantwortliche Antikörpertyp komplett ausgeschaltet wird. Das Medikament trägt den Arbeitstitel «rhu-MAb-E25» (für «recombinant humanised monoclonal Antibody E25») und wird noch klinisch getestet.
Je nach Allergieform kann auch die alternative Therapie mit Akupunktur oder Homöopathie Erfolg bringen. Dies scheint besonders bei Heuschnupfen der Fall zu sein.