Erkältung / grippaler Infekt Behandlung

Diagnose

Die Diagnose einer Erkältung wird auf Grund der typischen Symptome (Schnupfen, behinderte Nasenatmung etc.) gestellt. Die Erkältung muss jedoch gegen folgende Krankheiten abgegrenzt werden, die Komplikationen und ernstere Verläufe nach sich ziehen können und früh diagnostiziert werden sollten.

Virale/bakterielle Krankheiten
Echte Grippe (Grippe) Im üblichen Sprachgebrauch häufig mit dem banalen (grippalen) Infekt gleichgesetzt. Hier aber andere Erreger (Influenza-Viren), stärkeres Krankheitsgefühl, höheres Fieber, auch ausgeprägte Gliederschmerzen und Schmerzen in anderen Bereichen (zum Beispiel Brustkorb), höhere Kreislaufbelastung. Hier ist Bettruhe noch wichtiger als beim grippalen Infekt, um eine Superinfektion - das Aufpropfen einer weiteren, bakteriellen Infektion - zu vermeiden.

Mittelohrentzündung Meist direkt bakteriell verursacht, sehr schmerzhaft, oft gefördert durch zugeschwollenen Hals-Mittelohrgang (zum Beispiel bei geschwollener Rachenmandel). Frühzeitige antibiotische Behandlung verhindert kompliziertere, langwierige Verläufe.

Bakterielle Bronchitis Stärkerer Husten, oft anfangs mit Schmerzen, Fieber teilweise höher als 39 Grad, gelblicher Auswurf (die Färbung entsteht durch Zersetzen weisser Blutkörperchen, die bei bakteriellen Prozessen auf den Plan treten).

Mandelentzündung (Angina pectoris) Weissliche Beläge auf den Rachenmandeln sichtbar. Meist bakteriell bedingt. Diese Bakterien können auch Herz und Nieren schädigen, daher antibiotische Behandlung notwendig. Zuvor wird meist ein Abstrich von den Mandeln gemacht, um die Keime und deren Behandelbarkeit herauszufinden.

Nasennebenhöhlenentzündung Starke Kopfschmerzen, Schmerzen beim Bücken und bei Druck auf das erste Augenbrauendrittel, den Punkt direkt neben den Nasenflügeln oder unterhalb der Augen. Sehr näselnde Sprache, auch wenn gerade kein Sekret die Nase verstopft. Wegen der Gefahr der Chronifizierung oder sogar des Übergreifens auf die Hirnhäute ist eine frühe Diagnostik und Behandlung (reichlich abschwellende Tropfen, eventuell Antibiotika) notwendig.

Kinderkrankheiten Sie beginnen oft mit Krankheitsgefühl, etwas Fieber, laufender Nase - wie der banale Infekt. Nach einigen Tagen schiessen dann charakteristische Ausschläge, zum Beispiel bei Masern, Röteln, Ringelröteln auf, die die korrekte Diagnose erlauben.

Lungenentzündung (Pneumonie)
Da hier auch die kleinsten Endaufzweigungen des Bronchialsystems der Lunge (Lungenbläschen) betroffen sind, in denen die Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe stattfindet, ist diese Komplikation sehr bedrohlich. Sehr starkes Krankheitsgefühl, bei kleineren Kindern Nasenflügeln (Beben der Nasenflügel bei jedem Atemzug), eventuell bläuliche Lippen/Zunge, Gefühl nicht richtig einatmen zu können oder einen Reifen um die Brust zu haben, meist auch höheres Fieber über 39 Grad. Unbedingt den Arzt verständigen!

Hirnhautentzündung (Meningitis)
Sehr starkes Krankheitsgefühl, Kopf- und Nackenschmerzen, Nackensteife (das Knie kann nicht mehr geküsst werden). Eventuell Benommenheit, Erbrechen. Bereits bei Verdacht unverzüglich den Arzt verständigen!

Kehldeckelentzündung (heute dank HIB-Impfung [Haemophilus influenae B] selten, betroffen sind Kinder)
Auffallend klossige Sprache, Kind kann seinen Speichel nicht schlucken. Fieber, Krankheitsgefühl. Sofort den Arzt verständigen - gefürchteter Notfall! Nicht in den Rachen schauen, zum Beispiel mit einer Stab-Taschenlampe.

Croup-Syndrom (früher: «Pseudokrupp») führt rasch zu starkem Husten, pfeifender Atmung und deutlichem Krankheitsgefühl. Auch hier, wie in allen Fällen, in denen starkes Krankheitsgefühl besteht, sollte nicht gezögert werden, den Arzt zu rufen.

Nicht virale/bakterielle Krankheiten
Der allergische Schnupfen, oft auch begleitet von entzündeten Augenbindehäuten, geht meist ohne Fieber einher, das aber (bei Heufieber) auch einmal mit auftreten kann. Die Sekretion ist ausgesprochen wässrig.

Asthma bronchiale (Asthma bronchiale) ist durch Husten, Hervorbringen sehr zähen, glasigen Schleims und erschwerte Ausatmung gekennzeichnet. Asthma wird heute noch zu selten diagnostiziert!

Fieber ruft bei etwa fünf Prozent aller Kinder einen so genannten Fieberkrampf hervor. Das ist nicht mit einer Epilepsie zu verwechseln. Ein Arzt sollte auf jeden Fall umgehend gerufen werden, wenn ein solcher Krampf erstmalig auftritt. Die Eltern sollten den Hausarzt um Rat fragen, wie sie sich in weiteren solcher Fälle verhalten sollen.

Therapie
Das körpereigene Immunsystem wird mit einem grippalen Infekt selber fertig, aber Hausmittel sind gegen die lästigen Symptome nützlich. Man sollte es mit der Dosierung jedoch nicht übertreiben.


Würde man die Schleimhaut der Atemwege flach ausbreiten, ergäbe sich eine Fläche von mehr als 80 Quadratmeter. An dieser riesigen Fläche findet der Kontakt zwischen der Innen- und der Aussenwelt statt. Entsprechend vielseitig sind hier auch die Schutzmassnahmen:

  • Die Schleimhaut produziert ein Sekret, auf dem Fremdkörper und Keime haften bleiben.
  • Die Flimmerhärchen transportieren den «Schutt» nach aussen, in Richtung Nase und Mund.
  • Bestimmte Areale sind sehr dicht mit Immunzellen besetzt. Sie bilden als lymphatischer Rachenring einen Schutzwall im Hals: die Rachendach- und die beiden Gaumenmandeln sowie der Grenzstrang (streifenförmig durch den Rachen laufende Zonen mit reichlich Immunzellen). Bei verstärkter Aktitivät dieser Abwehrorgane entstehen auch hier Schmerzen und Schwellungen.

Lassen sich die Viren mit einem antiviralen Mittel vernichten - ebenso wie man bei Bakterien mit Antibiotika verfährt? Das geht nur eingeschränkt, weil sich die Viren in die körpereigenen Zellen einnisten. Vernichtet werden können sie also nur, wenn auch die Wirtszellen dabei zugrunde gehen - also ist man mit so genannten Virostatika sehr zurückhaltend. Bei lebensgefährlichen viralen Infekten werden die unerwünschten Effekte in Kauf genommen, bei Schnupfen keinesfalls.

Was also sonst? Die Medikamente bei einem banalem Infekt lindern die Symptome und können hierbei sehr sinnvoll sein. Sie können aber auch die Abwehrkraft steigern und so schon vorbeugend eingesetzt werden.

Bewährte Medikamente und Hausmittel gegen die Symptome

Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen werden unter anderem durch Botenstoffe hervorgerufen, die während der Abwehrreaktion Aufträge an die Immunzellen vermitteln. Diese Symptome werden durch Substanzen unterdrückt, die in den Botenstoffhaushalt eingreifen. Sie wirken gleichzeitig fiebersenkend, schmerzlindernd und entzündungshemmend (antipyretisch, analgetisch, antiphlogistisch). In erster Linie sind das Medikamente mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) aber auch mit der Substanz Paracetamol, die im Gegensatz zu den NSAR («nicht-steroidale Antirheumatika») nur schmerzlindernd wirkt.

Für Kinder wird das Paracetamol (als Zäpfchen) vorgezogen, weil bei ihnen nach ASS sehr selten schwer wiegende Nebenwirkungen wie Leberversagen auftreten können. Bei Leberkrankheiten (zum Beispiel Hepatitis C) darf kein Paracetamol genommen werden. ASS hemmt die Blutgerinnung und darf nicht eingenommen werden, wenn der Patient ein blutverdünnendes Medikament erhält, zum Beispiel bei Herzklappen- oder anderen Herzkrankheiten. Bei Magen- oder Dünndarmgeschwüren ist ASS gefährlich, weil es Blutungen auslösen kann, die dann wegen der gestörten Gerinnung besonders lange anhalten.

Der Zusatz von Vitaminen kann gerade bei grippalen Infekten sinnvoll sein.

Die verstopfte Nase und gestörte Nasenatmung wird durch abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays behandelt (Wirkstoffe mit Endung auf «-zolin»). Sie ziehen ähnlich wie Adrenalin die arteriellen Blutgefässe in der Nase zusammen. Die Schwellung geht zurück, die Nase wird wieder frei. Vor allem wenn der Schlaf durch die verstopfte Nase gestört ist oder wenn durch ständige Mundatmung die Schleimhäute austrocknen, sind Nasentropfen oder -sprays sinnvoll.

Wird die Nasendurchblutung durch zu häufige Anwendung (mehr als viermal pro Tag) nachhaltig gedrosselt, kann die Schleimhaut dauerhaft geschädigt werden. Deshalb nicht länger als 5-7 Tage anwenden. Bei längerer Anwendung kann eine medikamentös bedingte Anschwellung der Nasenschleimhaut auftreten, die in ihren Symptomen einem Schnupfen sehr ähnlich ist. Als Alternative nach 7 Tagen und zur Bekämpfung einer «Abhängigkeit» kommen leichte Cortison-Sprays in Frage.

Husten löst sich durch Wärme (warme Brustwickel, warmes Armbad), reichlich warme Flüssigkeit wie Bronchialtees (aber eher keine Milch, da sie unangenehme Verschleimung bewirkt) und eventuell Hustenlöser (Mukolytika) mit dem Wirkstoff Acetylcystein. Sie verflüssigen den Schleim, sodass er besser abzuhusten ist. Bitte nicht abends anwenden und nie zusammen mit Hustenreiz stillenden Mitteln (enthalten Codein)! Ist der Schleim verflüssigt, aber der Hustenreiz gedämpft, so kann sich Sekret in den tiefen Atemwegen sammeln und dort die Atmung stark behindern.

Auch Bronchialbalsam erleichtert das Abhusten. Allergiker sollten vorsichtig sein, denn die Allergisierungsrate liegt hoch (bei zirka zehn Prozent der Anwender). Keinen Bronchialbalsam oder ätherische Öle im Nasenbereich bei Kleinkindern und Säuglingen anwenden - Gefahr eines gefährlichen Atemwegskrampfes! Hier gibt es die Möglichkeit, ätherische Öle aufs Kissen oder das Lätzchen zu tropfen.

Hustenreizstillende Medikamente wirken auf das Hustenzentrum im Gehirn ein. Sie dämpfen nicht nur den Hustenreiz, sondern auch die Reaktionsfähigkeit! Am sinnvollsten sind sie abends und vor allem beim trockenen Husten der ersten Phase. Später sind sie eher ungünstig, weil sie den sinnvollen Schutzreflex blockieren.

Ätherische Öle (Eukalyptus, Thymian, Fichten-, Kiefer-, Piniennadelöl und andere) vertiefen die Atmung, erleichtern das Abhusten und regen die Durchblutung in den Atemwegen an. Sie können ins Bad gegeben werden und wirken dann durch Inhalation, sie können direkt inhaliert werden oder über Einreibungen oder Wickel wirken.

Allgemeine Empfehlungen: Wenn das Allgemeinbefinden deutlich eingeschränkt ist, sollte Bettruhe eingehalten werden. Bei unkompliziertem Schnupfen ist sie nicht notwendig. Viel frische Luft, auch im Winter und bei Säuglingen/Kleinkindern, verbessert ebenfalls die Atmung. Die Kleidung sollte angemessen und weder zu kältedurchlässig noch zu warm sein. Hat der kleine oder grosse Patient keinen Appetit, sollte das respektiert werden. Statt den Verdauungsorganen steht die Energie dann dem Immunsystem zur Verfügung.

Vorbeugende Behandlung


Abhärtung durch gezielten Kontakt mit Warm- und Kaltreizen trainiert die Reaktionsfähigkeit des ganzen Organismus. Sie macht nicht nur widerstandsfähiger gegenüber Keimen, sondern auch gegenüber psychischem Stress oder anderen Krankheiten. Besonders günstig ist regelmässiges Saunieren, weil dadurch der Organismus mit Temperaturwechseln umzugehen lernt.

Die Abwehr kann auch durch pflanzliche Substanzen angeregt werden, beispielsweise durch Sonnenhutextrakte. Die enthaltenen Zucker sind für den Körper harmlos, aktivieren bis zu einem gewissen Grade die Zellen, die mit einstürmenden Keimen besser fertig werden. Eine Anwendung über mehrere Wochen hinaus ist nicht sinnvoll. Bakterien-Lysate wirken ähnlich und sind dementsprechend bei wiederkehrenden bakteriellen Infekten sinnvoll.